Kürzlich bin ich mit meinem Motorrad bei einer kleinen Ausfahrt von Gleichgestörten auf dem Ländle dabei gewesen. Wie es sich gehört, fährt der Verrückte von Welt natürlich in diesem Bereich auch nur Alteisen.
Einer der Kradfahrer war ein junger Mann, mit dem ich schnell ins Gespräch kam.
Nach einiger Zeit fragte er mich, ob ich mich auch mit alten Autos auskennen würde.
Bescheiden, wie ich nun mal bin, sagte ich natürlich: "Ja klar!"
Das träfe sich gut! Er habe da kürzlich einen alten Ford aus einer Scheune gezogen und wollte den gerne loswerden. Alter des Wagens wisse er nicht und einen Brief gäbe es auch nicht mehr.
Oh je...
Viele Jahre in der Scheune...
Na ja, wo ich schon mal in der Nähe war, kam ich nicht umhin, mir das besagte Fahrzeug anzuschauen.
Als ich am Standort ankam, fand ich dort eine zwotürige Knudsenlimo vor...die erbärmlich aussah. Falsche Felgen, Rost, Dreck und Fehlteile.
Die an dem Wagen angebrachten 1300er Schilder ließen mich auch ein solch trauriges Triebwerk erwarten.
Hmmm, mal die Haube öffnen.
Oha, widererwartend kam unter der Haube aber ein schnuckliger V6 im Öldressing zum Vorschein! Immerhin etwas.
1300er umgebaut auf 2,0 V6 mit zweiteiliger Kardanwelle und großer Achse
Soweit ich das in meinem unbeweglichen Zustand (nasse Lederklamotten - es hatte ja völlig unerwartet, wie seit drei Wochen schon, geschüttet wie aus Eimern) ersehen konnte, war der Wagen blechmäßig noch recht gut beieinander - für einen Ford.
Gerümpel, Kofferraum aufgebrochen, Stoßstange fehlt.... Ein Traum!
Dummerweise hatte ich sowas von überhaupt keinen Platz für ein weiteres Projekt. Aber der Preis war ganz gut und so beschloß ich einem Freund davon zu erzählen. Ich hatte noch im Hinterkopf, daß er einem Knudsen nicht wirklich abgeneigt sei.
Also schnell nach Hause geschwommen, zum Telefon gegriffen und Bericht erstattet.
Am anderen Ende der Leitung war erst Schweigen, dann ein Seufzen (er hatte dieses Jahr schon zwei Autos gekauft) und schließlich ein: "Ich würde ihn aber auch gerne mal sehen."
Gesagt, getan. Drei Tage später waren wir zusammen abermals vor Ort.
Es wurde geseufzt, die Stirn gerunzelt und gehadert. Nach dem ich versprach, daß ich das Blech schon wieder hinbekomme (ich kann mein dummes Maul ja nicht halten), wurde kurz gehandelt und der Knudsen wechselte den Besitzer.
Am nächsten Tag traf ich mich mit einem anderen Kumpel. Da dieser einen Wagen mit Agrarhaken besitzt, muß er bei solchen Aktionen immer ran.
Zusammen fuhren wir dann samt Hänger zum Knudsen.
Es schien sogar die Sonne! Das erste Mal in diesem August.
Während mein Kumpel und der Ex-Besitzer schufteten, um den Wagen auf den Hänger zu bekommen, nutzte ich die Zeit sinnvoll und machte Fotos.
Der letzte Besitzer. Jonas hat dann doch eingesehen, daß der Wagen nicht so gut für einen Führerscheinneuling geeignet ist...
Als alles fertig war, setze ich mich dann auch mal in den versifften Boliden.
Wow, die Sitzposition ist ja richtig geil. Aber schon wurde ich ermahnt, endlich da raus zu kommen, da wir eh schon spät dran waren.
Das Zugfahrzeug (ein VW T3 Transporter mit WBX) samt seiner Fracht sorgte doch für erheblich Aufsehen und teilweise auch für Staunen beim örtlichen Furchenadel.
Dieser mußte mit seinem spoilerbewehrten Kirmeskisten doch feststellen, das ein Endrohr, das die Größe des Motors übersteigt, doch nicht alles ist, um an einem WBX Bus mit Hänger vorbeizukommen. HarHar.
Shantychor mit Marco und Dirk
Letztlich haben wir den Wagen noch mal schnell an einer Tankstelle grob vom Dreck der Jahre gereinigt, damit die Herzdame des neuen Besitzers beim Anblick der neuesten Errungenschaft nicht sofort die Scheidung einreicht.
Wow, der Innenraum bleibt trocken! Immerhin etwas.
Dieses Bild bekam ich auf die Arbeit geschickt. Dick und Doof in der Halbzeitpause.
Nach 18 Stunden Stau im kölner Feierabendverkehr, waren wir auch endlich am gewollten Ziel angekommen und konnten das Wrack, äh, den Knudsen vom Hänger laden.
Ich sollte Briefmarken sammeln....
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