Neues Gayfährt

Es war einmal ein kleines rotes Käferchen. Das stand in Bonn auf einem Parkplatz und wollte keinen Mucks mehr von sich geben. Da half auch kein Bitten, kein Betteln, kein Fluchen. Wohl oder übel musste ich die gelben Engel bemühen. Mit Starthilfe sprang das Gefährt dann auch sofort an. Sehr zum Ärger der Anwohner und vor allem der Parkplatzsuchenden Bonner, folgte ich dem Rat des gelben Mannes und ließ den Motor eine geschlagene halbe Stunde durchlaufen bevor ich die Heimreise nach Wuppertal antrat.

mex_ist

Kurz vor Solingen musste ich dann einen leicht panischen Abstecher auf den Parkplatz machen. Der Motor fing bei voller Fahrt urplötzlich an zu dröhnen wie ein startendes Flugzeug. Später sollte sich herausstellen, dass ich diesen unerwarteten Adrenalinkick einem ordinären Ölkontrollzettel zu verdanken hatte.

Zur gleichen Zeit in Wuppertal.
Daniel war genervt. Beim Käfer hatten sich die vielen noch zu machenden Kleinigkeiten inzwischen zu einem ordentlichen Batzen summiert. Und jetzt das! Janet stand in Bonn und wartete auf den ADAC. Man müsste einiges Geld in den 84er Mex stecken und eigentlich hätte er eh lieber ein echtes Auto... Kurzum setzte er den Wagen ins Web um erstmal zu sehen ob es überhaupt Interesse zu diesem Preis gäbe. Es gab. Drei Tage später lagen 50 Euro als Anzahlung auf unserem Tisch. Da wir aber so schnell kein Auto auftreiben konnten, einigte man sich auf schnellstmögliche Übergabe in den nächsten Wochen. Autos haben auch Gefühle - und so ließ sich ein paar Tage später die Tür nicht mehr öffnen und wir mussten ein weitere mal die Engel bemühen. Von da an glühten die Drähte.
Das schmächtige Budget von 1500 Euro wollte einfach nicht für einen H-Käfer reichen. Bezahlbare Alternativen wurden gefunden. Ein Taunus in Frankreich und ein C-Rekord in Hamburg. Nur wohin fahren?

knut
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Nach einigem hin und hergerissen sein siegte die Teilebeschaffung gepaart mit dem glücklichen Zufall, dass eine eine Freundin an fraglichem Wochenende eine Fahrgelegenheit nach Hamburg suchte.
In einer Blitzaktion brachte Daniel den Käfer in einen Zustand in dem ich ihn nie fahren durfte, während ich bei den Versicherungen klappern ging.
Freitag morgen. Doppelkarte abgeholt, Kurzkennzeichen besorgt, Käfer heil nach Lünen gebracht.

Samstag morgen. Mit einer halben Stunde Verspätung starteten wir um 9.30h zu viert nach Hamburg durch. Der einzig fitte an Bord war Daniel, der den Peugot seiner Eltern mit 160 Sachen gen Norden steuerte. Wir anderen waren schläfrig, denn Caro würde für mindestens ein halbes Jahr in Hamburg bleiben und das hatten wir am Vortag etwas begossen.

elbtunnel
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Vier Stunden später erreichten wir ein kleines Kaff hinter Hamburg. Hauptstrasse entlangfahren und einen Blechturm suchen. Und da stand das Schätzchen. Völlig verdreckt und ziemlich abgerockt. Etwas mulmig war mir schon. Das soll es sein?

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Daniel wagte eine Runde über den Hof. Etwas zögerlich, denn Lenkradschaltung ist schon anders. Aus mal eben ein Auto angucken wurden weitere vier Stunden mit Kaffee und Kuchen in einer Halle in der sich die Schätze nur so türmen. Geländekäfer, Volvo, T2 B, Spyder, Fiat 500, diverse Kübel...

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Wärend Verkäufer Herr-e mit Daniel den Wagen und den Ersatzteilehaufen inspizierte, versuchte seine Schrauberkollegin Betty P. mir meine Bedenken zu nehmen. Und tatsächlich, wir kauften das Auto samt einer Kofferraumladung Ersatzteile und Fanny Hills - Butt Plug für 1300 Ös.

Betty P. lotste uns noch mit ihrem Volvo Amazon bis in die vermeindliche Straße, in der wir Caro absetzen wollen. Den Jungs hinterherzufahren war auf jeden Fall eine Augenweide. Wir parkten das Schiff neben einem netten kleinem Käfer und maschierten mit Caros Koffer auf den Hof des Hauses Nr. 62. Da wir den Namen auf dem Klingelschild nicht finden konnten, tappsten wir einfach in den Hof . Es ist fraglich was die Bewohner sich dachten, als sie vier Personen mit riesigem Koffer um ihr Haus herumschawenzeln sahen...

kartenlesen
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Tatsächlich befand sich gesuchte Adresse nicht in Hamburg sondern in Wedel bei Hamburg. Und auch hier meinte es der Zufall mal sehr lustig, denn die Tatsache, daß Heino krank geworden ist, bescherte dem Tourkoch einen Woche unverhofften Urlaub und Caro eine vorrübergehende Unterkunft. Dies sei nur am Rande erwähnt.

Bevor wir uns auf den Rückweg machten, luden wir noch schnell eine Kiste Astra Rotlicht ein und schnuckerten ein Sandwich zum Ladenschluss. Der Rekord auf dem einsamen Parkplatz brachte ein sehr amerikanisches Gefühl...

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Meine Gefühle auf dem Rückweg waren hingegen sehr gemischt. Erstens fragte ich mich, ob es nötig sei mit 65 kmh durch Hamburg zu brausen, zweitens machte ich mir Sorgen um die "lala-Reifen" des Rekords. Eigentlich war angesagt deshalb nur mit 80 nach Hause zu zuckeln. Meine grösste Sorge war ein geplatzter Reifen, den ich zu spät bemerke und den beiden hinten draufrausche. Aber Daniel und Fabi brausten unbeirrt mit 100 bis 110 Sachen davon. Und ich hinterher.

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Beim ersten Stop hab ich dann ein Donnerwetter über die beiden niedergehen lassen, während diese sich geärgert hatten, dass ich in Hamburg an jeder Ampel hängen blieb. Tatsächlich gab und gibt es eine Diskrepanz zwischen Tacho und Geschwindigkeit. Die Reifen schienen okay, wir tankten nach und stellten fest, dass wir auf 200 km 18l verbraucht hatten. Eine wichtige Information, denn die Tankanzeige funktionierte nicht. Der Reifen vorne links hatte ein merkwürdiges Ventil, aus dem sofort Luft entströmte sobald man die Kappe löste. Unser Sorgenkind. Wir machten mehrere Reifenkontrollstops.
Daniel hatte Fabian und ich ein Radio. Aber bei Dülmen, 70 km vorm Ziel mussten wir dann doch noch eine Nickerchenpause machen. (Der gleiche Parkplatz auf dem wir zwei Wochen zuvor mit dem Käfer hängen geblieben waren. Als der Adac nach selbstversuchter erfolgloser Starthilfe eintraf, sprang der Wagen selbstverständlich einfach so an. Ich kam mir sehr doof vor.)
Um etwa 2h nachts erreichten wir völlig erschöpft heimatliche Gefilde.

Meine persönliche Liebe entbrannte aber erst am Sonntag. Ein Schiff mit Lenkradschaltung! 4 Ever yours!

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