Eisenschwein

Eisenschwein

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Es ist ja manchmal schon verhext. Wenn man am wenigsten etwas sucht, fliegt es einem quasi zu.
Eigentlich war ich recht entspannt. Die Autos liefen und ich hatte keine Teilenot zu vermelden.
Dann kam ich auf dem A.R.T. mit einem Mann ins Gespräch.
Im laufe der Unterhaltung kamen wir zu dem Punkt an dem es hieß das er noch diverse Teile für VW Käfer hätte. Nun gut, der Wagen der Herzdame köööönnte ja mal `ne besser Haube gebrauchen.
Hach, na gut. Gucken kann man ja mal.
Also Telefonnummern ausgetauscht und sich mal ein paar Wochen später verabredet.

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Besagter Verkäufer wohnte etwas ländlich. Ich traf ihn in an einer Scheune an, aus der er gerade ein paar Käferteile hervorzog.
Ach prima, ne Haube und ein paar Technikteile. Sehr schön.
Wir unterhielten uns und wanderten dabei etwas in die Scheune.
Dort befanden sich, neben Massen an Teilen, auch ein paar Autos verschiedenster Marken. VW, Opel und - ein Mercedes.
"Nun gut", wird der geneigte Leser denken, "ein Taxi is ja nicht gerade der Hit!" - Stimmt, aber hierbei handelte es sich doch tatsächlich noch um einen Mercedes-Benz 170S.
Der kommt noch aus der: Pre - "wir bauenjetztinmassenundtuentrotzdemsoalswärenwirwasbesonderes" - Ära.
Also aus einer Zeit wo man noch quasi betteln mußte um so einen Wagen vom Händler zu erhalten.
Nun ja, solche angeborene Gepflogenheiten schüttelt so ein Auto anscheinend auch nach Jahrzehnten nicht ab - wie sich noch herausstellen sollte.

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Jedenfalls war ich hin und weg von dem Wagen. Schon vor geraumer Zeit hatte ich intensiv mit dem Gedanken gespielt mir einen solchen Wagen mal zu zulegen, habe es aber vermieden da ich kein vollrestauriertes "Imitat" haben wollte, sondern einen Wagen mit Geschichte - sprich Patina, oder sogar darüber hinaus...
Nun, solch ein Wagen stand nun plötzlich vor mir, verstaubt, zerdellt, eingepfärcht zwischen kubikmeterweise Gerümpel. Dort verweilte er schon seit über 20 Jahren. Tja, und laut Besitzer sollte er das auch noch ne Weile, denn der wollte ihn nicht hergeben. Natürlich nicht.
Aarrgh! Verdammte Axt! Also betteln...
Im Hinterkopf hatte sich schon ein Gedanke der Unfernunft festgebissen - das lasse ich zum Leidwesen meines sozialen Umfeldes aber auch immer wieder zu.
Klar, auf dem Rückweg dachte ich mir auch:" Oh, mach das lieber nicht! Grabe nicht zu tief! Wenn er ihn doch hergibt, was dann? Unüberschaubar, teuer, nur Ärger, wohin damit?..."
Jaja, diese Gedanken waren aber auch eher nur noch ein letztes aufflackern der Vernunft, diese zog sich nämlich schon vor Jahren aus taktischen Gründen (absolute Chancenlosigkeit) in die letzte Reihe zurück, um von dort ab und an ein bissel rumzunerven.

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Da steter Tropfen bekanntlich Steine höhlt, war diese Taktik auf lange Sicht angeraten.
Zudem verstand ich mich mit dem Besitzer auch gut und somit hatten wir regelmäßigen Kontakt.
Ich richtete mich schon auf eine langwierige Bearbeitung mit ungewissem Ausgang ein.
Aber es kommt ja immer anders wie man denkt.

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Ein paar Monate nach meinem ersten Kontakt mit dem Benz erscholl vom Fernsprecher ein Ringsound und der Besitzer des Reliktes war am anderen Ende. Er verkündete mir das der 170er nun doch zum Verkauf stünde.
Verdammter Mist! Das war eigentlich zu früh (das Geld - sie wissen schon).
Nunja, also hin und über den Preis gesprochen. Danach nach Hause gefahren und die Geschichte abgehakt. Die Preisvorstellungen war viel zu hoch.
Das sahen aber auch andere Leute so und deswegen blieb er unverkauft - naja, fast.
Kurzum, nach zähem ringen einigten wir uns auf einen für beide Seiten akzeptablen Preis.
Der Wagen konnte auch noch etwas in der Scheune stehen bleiben. Das kam mir zugute, denn es fehlte mir schlicht auch der Platz.

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Aber die Atempause währte nicht lange, denn dummerweise wurde er plötzlich mit der Tasache konfrontiert das das Gelände auf dem die Scheunen standen, verkauft wurde!
Und die neuen Besitzer wollten das er alles wegschaffe!
Ohoh, die Einschläge kamen also auch für mich näher.
In einem kleinen Gewaltakt schaffte ich es in kürzerster Zeit einen Stellplatz (vorrübergehend), einen Anhänger, ein Zugfahrzeug und zwei Helfer zu organisieren. Tausend Dank nochmal an dieser Stelle dafür!

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Der Mercedes weigerte sich beharrlich seine alte Ruhestätte zu verlassen. Nur mit Flaschenzügen und Muskelkraft, sowie jammern, betteln und fluchen, gelang es uns ihn auf den Anhänger zu verfrachten.
Was sich hier mal eben in ein paar Sekunden runterliest, nahm doch mal eben fast vier Stunden in Anspruch!
Denn es war eng, draußen war es morastig und es wurde dunkel. Aso, etwa eine Milliarde Mücken bewohnten den Schauplatz auch noch. Die waren auch ein stehter Quell der Freude.

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Ersatzteile gab es dankenswerter Weise auch noch zu Hauf dazu (auf dem ganzen Gelände verstreut).
Zudem zwei Motoren und eine Hinterachse. Diese holten wir aber einen Tag später ab - und das war noch schlimmer als den 170er da rauszuziehen.
Die kannten früher wohl nur ein Material: Eisen - und das in rauen Mengen. Diese sch... Teile waren sowas von schwer - unfaßbar.
Wenn man mit so einem alten Bock irgendwo einschlägt, bleibt nur noch ne Schneise übrig.
Jetzt ist aber erstmal Ruhe - bis ich ihn aus seiner "Notbehausung" wieder herausholen muß.

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Fortsetzung folgt.